Montag, 8. August 2011

1. Interview - Martha Sophie Marcus

Martha Sophie Marcus wurde 1972 geboren und war schon seit ihrer Kindheit begeistert von Geschichten aus der Vergangenheit und so kam sie zum Schreiben historischer Romane.

Sie studierte in Hannover und lebt heute mit Mann,Kindern und ihren Tieren in Lüneburg, wo auch ihr Debütroman "Herrin wider Willen" spielt.












Rena:
Wie ist Ihnen die Idee zu "Herrin wider Willen" gekommen und wodurch lassen sie sich generell beim Schreiben Ihrer Bücher inspirieren?

M.S. Marcus: 
Ich kann selten genau sagen, woher die Ideen für meine Geschichten stammen. Wenn ich mich auf ein Thema festlege, das mich besonders interessiert (bei historischen Romanen wären das die Epoche und die Gegend), dann sammle ich dazu über lange Zeit hinweg alle Arten von Informationen. Dabei entdecke ich immer Einzelheiten, die mich besonders beschäftigen, weil sie z.B. das Leben eines Menschen auf spannende Art geprägt haben könnten. (Man könnte diese Details vielleicht „Inspirationen“ nennen.)
Bei HwW war einer der ersten „Eindrücke“, die ich von Ada hatte, dass sie einen von diesen großen, gefältelten Kragen trägt, die zu jener Zeit eigentlich schon wieder unmodern wurden. Mit diesem Bild von ihr vor Augen wurde mir während der Recherche allmählich ihre Persönlichkeit deutlich. Von dem Zeitpunkt ab entwickeln meine Figuren gewöhnlich ein Eigenleben, das die Handlung der Geschichte mitbestimmt, und so war es auch hier.

Rena:
Ada ist für ihre Zeit eine starke Frau, die mich oft an die Marquise von O... von Heinrich von Kleist erinnert hat. Was hat sie dazu bewogen eine starke Frauenfigur als Hauptperson in dem Roman "Herrin wider Willen" spielen zu lassen?

M.S. Marcus:
Die traditionelle Geschichtsschreibung stellt überwiegend Männer und ihren Einfluss auf historisches Geschehen dar. Mich hat dagegen oder gerade deshalb schon im Studium die Rolle der Frauen und das Verhältnis der Geschlechter beschäftigt. 

Rena:
Hatten Sie für die Figuren Vorbilder aus Ihrem alltäglichen Leben? 

M.S. Marcus:
Die Persönlichkeiten meiner Figuren können sich natürlich nur aus Charakterzügen und Eigenheiten zusammensetzen, die mir im Leben schon einmal direkt oder indirekt bei jemandem begegnet sind. Ich forme eine Figur aber nie einem Menschen nach, den ich persönlich kenne.

Rena:
 Neben den historischen Romanen schreiben Sie auch Kinderbücher. In welchem Genre fühlen Sie sich mehr zu Hause? 

M.S. Marcus:
Mein Ausflug ins Kinderbuch-Genre ist eine ziemlich frische Erfahrung und hat mir viel Spaß gemacht. Wenn es sich so ergibt, könnte ich mir vorstellen, weiterhin zwischen den Genres zu pendeln, weil die eine Art zu schreiben so eine schöne Abwechslung von der anderen ist. 

Rena:
Schreiben Sie an mehreren Büchern gleichzeitig? Oder konzentrieren Sie sich auf ein Buch und eine Idee?

M.S. Marcus:
Schreiben kann ich nur an einem Buch zur Zeit. Parallel dazu beginne ich aber möglicherweise mit der Recherche zum nächsten, je nachdem wie viel begleitende Recherchearbeit das aktuelle Buch noch benötigt. 

Rena:
Ich fand "Herrin wider Willen" großartig - habe aber auch negative Rezensionen gelesen. Wie gehen Sie damit um?

M.S. Marcus:
Negative Rezensionen schmerzen immer ein bisschen, obwohl ich weiß, dass ein Roman niemals allen gerecht werden kann. Wie ich mit solchen Meinungen umgehe, hängt davon ab, wie sie formuliert sind. Üble Verrisse von schlecht gelaunten Lesern, bei denen ich mich frage, warum sie sich überhaupt ein Buch zugelegt haben, das ihnen weder vom (Sub-)Genre noch vom Stil her gefällt, werfe ich in eine mentale Mülltonne. Kritische Rezensionen von Lesern, denen das Buch im Großen und Ganzen lag, die aber Schwierigkeiten mit Einzelheiten hatten, finde ich dagegen interessant. Solche Anmerkungen behalte ich im Kopf und überlege, ob ich aus ihnen lernen kann.

Rena:
Ist die Geschichte um Lenz, Ada und Christoph schon abgeschlossen oder werden sie zusammen noch mehr Abenteuer erleben?

M.S. Marcus:
Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie es mit den Menschen aus HwW weitergeht. Es würde die drei auf jeden Fall nach England führen. Wann ich dazu kommen werde, die Fortsetzung ihrer Geschichte zu schreiben, ist allerdings noch unklar.

Rena:
Auf was kann man sich als nächstes freuen ? Auf ein Kinderbuch oder historischen Roman oder steigen Sie gar in ein ganz andres Genre ein?

M.S. Marcus:
Im Oktober 2011 erscheint "Elsternseele", mein erstes Kinder-/Jugendbuch (für 10-14jährige) und im Januar 2012 kommt die Taschenbuchausgabe von "Der Rabe und die Göttin" (ein historischer Roman aus der Wikingerzeit). Anschließend wird Goldmann meinen jüngsten historischen Roman bringen, der bereits fertig lektoriert darauf wartet, dass Titel und Erscheinungsdatum festgelegt werden. (Es geht um eine bogenschießende junge Frau im Brandenburg des 15. Jahrhundert, zur Zeit König Sigismunds).
Geschrieben habe ich als letztes an der Fortsetzung zu "Elsternseele". Wenn ich das Manuskript fertig habe, widme ich mich meiner nächsten Idee für einen historischen Roman, der auch wieder in der Lüneburger Umgebung spielen soll.




Na da kann man sich doch auf was freuen!  Vielen Dank nochmals an Martha Sophie Marcus

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